Interview mit Jan Schulz-Hofen über Magpie

Hallo Jan, ihr habt gerade Magpie gestartet und wollt jetzt mit Werbung im Twitter-Stream Geld verdienen - erläuter doch bitte kurz, wie der Dienst funktioniert.

Hallo Nico und vielen Dank für die Gelegenheit zum Interview.

Zu deiner Frage: Magpie ist ein Ad Network für Twitter. Die Idee ist
simpel: es funktioniert so wie AdSense/AdWords von Google — nur eben
für Twitter.

Das Prinzip ist so:

Twitterer melden sich mit ihrem Twitter-Account bei Magpie an und
erlauben uns, Werbung zwischen ihren Tweets zu schalten. Abhängig von
der Anzahl der Follower und der Relevanz der Themen, über die die
Twitterer schreiben, erhalten sie dafür bares Geld. Natürlich kann man
einstellen, mit welcher Rate wir maximal twittern dürfen.

Unsere Kunden können Werbebotschaften einstellen, die dann von
angemeldeten Twitterern an ihre Follower verbreitet werden. Kampagnen
müssen dabei zunächst mit Keywords beschrieben werden. Genau wie bei
AdWords gibt’s bei Magpie auch wertvolle und weniger wertvolle Wörter,
abhängig vom Themenbereich und den anderen Kampagnen, die auf Magpie
laufen. Zu jeder Kampagne kann man allerdings einen maximalen TKP
(entspricht “Tausend-Kontakt-Preis”, in Englisch CPM) festlegen. Ein
Kontakt entspricht dabei einem erreichten Follower. Anhand des TKP
werden dann die Kampagnen, die auf einen Twitterer und seine Follower
passen, miteinanander verglichen. Wie bei einer Auktion bekommt dann
die Kampagne den Zuschlag, die den höchsten TKP geboten hat, zahlt
aber nur den TKP des höchsten Mitbieters.

Das Einstellen von Kampagnen dauert übrigens nur 2 Minuten und ist zur
Zeit schon ab € 10 möglich!


Nerven diese Tweets nicht mehr als dass sie meinen Followern nutzen?

Magpie liegt ein Targeting-Algorithmus zu Grunde, der Werbung so
zielgerichtet wie möglich platziert. Daher glauben wir nicht, dass
Magpie-Tweets nerven, sondern denjenigen Leuten Produkte und Dienste
vorschlagen, die sie tatsächlich interessieren könnten. Natürlich
reagieren Menschen unterschiedlich auf verschiedene Art von Werbung.
Ich empfinde zum Beispiel Popups und blinkende Flash-Banner auf
Webseiten als störend. Der Schlüssel ist also, nichts anzubieten,
womit man nichts anfangen kann, sondern nur Dinge, die hilfreich oder
nützlich sind.

Darüberhinaus haben Twitterer natürlich die Möglichkeit auf die
Signale ihrer Follower zu reagieren. Das Verhältnis Tweets/Werbung
kann frei konfiguriert werden, und auch ein komplettes Aussetzen der
Werbung zu bestimmten Zeiten ist möglich. Darüber hinaus sind weitere
Tools in Vorbereitung, die den Twitterern noch mehr Kontrolle über die
Werbung geben, die sie “ausstrahlen”.

Bislang sieht man vor allem Eure Eigenwerbung. Was für Kunden habt ihr denn bereits?

Magpie hat erst vor 10 Tagen das Licht der Welt erblickt. Wir haben in
diesen Tagen einen unglaublichen Zulauf erfahren und haben eine
Reichweite von über 300.000 Followern aufbauen können. Die
Eigenwerbung war dabei ein gezielter Schritt. Wir haben uns mit
Absicht noch nicht aktiv um Kunden bemüht, denn wir wollten erst
zeigen, wieviel Potential Magpie hat. Wir haben daher noch keine
bekannten Marken im Portfolio. Vielmehr haben sich kleine Unternehmen,
u.a. Ebay- und Etsy-Shops angemeldet, die auch mit kleinem Budget
schon sehr gute Resultate erzielen.

Was haben Kunden davon, wenn Sie bei Euch werben? Erläuter doch bitte das Modell aus Sicht der Werbetreibenden.

Wir haben es mit unserer Eigenwerbung vorgemacht: genau wie wir können
Werbekunden über Nacht zum Thema des Tages werden! :-)

Nein, im Ernst: Magpie-Werbung erreicht zielgerichtet diejenigen
Follower, die sich über Themen austauschen, die zur Werbekampagne
passen. Außerdem ist die Wahrnehmung jeder einzelnen Nachricht sehr
hoch, da viele Twitterer Desktop-Tools wie Twitterrific oder gar
mobile Clients verwenden, die einen über jeden eingehenden Tweet per
Popup benachrichtigen.

Auch hier sind noch viele weitere Funktionen in Vorbereitung, so
wird’s demnächst (die schon heiß nachgefragten) Statistiken zu
ausgelieferten Tweets und auch weitere Werbeformen geben.

Mit nur einem Tweet habe ich € 3,39 verdient, wie kann und soll sich das rechnen für Euch?

Wenn man deinen Einfluss in der Twittersphäre, deine Themenkongruenz
mit Magpie und die Tatsache berücksichtigt, dass du bei diesem Tweet
1.614 Follower (also € 2,10 TKP!) hattest, finde ich, dass das fast
noch ein Schnäppchen ist. ;-)

Also auf jeden Fall ein Tweet, der sich rechnet!

Ist Magpie das Ende der Unschuld und der Start des Ausverkaufs von Twitter?

Ach, “unschuldig” in diesem Sinne ist doch kein Medium mehr.
Twitterdings hat mir zum Beispiel Werbung für Parship und neu.de
gleichzeitig angezeigt, obwohl ich eine wundervolle Freundin habe und
dein Blog Lummaland fragt mich, ob ich nicht Newcomer Model werden
mag. Das empfinde ich noch eher als Ausverkauf und zielgerichtet war
das auch nicht wirklich. :-)

Vielen Dank für das Interview!

Viewing 2 Comments

 

Trackbacks

(Trackback URL)

close Reblog this comment
blog comments powered by Disqus

Livecommunity powered by six groups