Politikgetwitter für Dummies

Nachdem @hubertus_heil dafür gesorgt hat, dass Twitter nun auch in Deutschland ein wenig im Fokus von Politik und politischem Journalismus steht, wurde ich gefragt, wie man parteien oder politiker twittern sollten.

Die Frage möchte ich mit einem Negativ-Beispiel beginnen zu beantworten:

So sollte man es nicht machen. Twitter ist nicht als Distributionskanal für Pressemitteilungen gedacht. Nicht ansatzweise.
Deswegen ist auch das Getwittere der Grünen (@Die_Gruenen) nicht sonderlich gut angekommen. Erst wurden Pressemitteilungen angekündigt, dann wurden langatmige Möchtegern-Twittereien mit dem Hinweis “140 Zeichen sind zu wenig” per Twitter auf eine Seite bei den Grünen verlinkt. Auch wenn die Texte von Reinhard Bütikofer stammen, so sollten sie doch a) ins Format passen und b) auch als Dialog konzipiert sein. Und das wirft auch gleich die Frage auf: wer twittert da eigentlich?

Ich würde so twittern als Partei wie es Zappos vormacht, um es mal in einem Satz auszudrücken.

Top10-Liste für gutes politisches Twittern:
1. handelne Personen twittern selber, in ihrem eigenen Stil. Einige ernster, andere lockerer.
2. redaktionelle Mitarbeiter sorgen für Links, Tipps, Hinweise oder Termine. Namen der Mitarbeiter werden genannt.
3. auf @replies oder DM wird geantwortet soweit möglich.
4. Follower werden ebenfalls gefolgt, Spammer geblockt.
5. Twitter ist keine Einbahnstrasse. Retweets sind guter Umgang.
6. Nutzt #Hashtags für Themen, Orte, Personen wo es Sinn macht.
7. 140 Zeichen reichen aus.
8. Nutzt die indirekte Direktheit von Twitter.
9. Bindet Twitter in andere Internet-Angebote ein: Web, Email, etc.
10. Seid authentisch.

Wenn das alles zu viel zu sein scheint, dann sollte man sich auf Nr. 10 konzentrieren, das reicht für den Anfang aus.

Viewing 10 Comments

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    Politiker und authentisch in der Öffentlichkeit? Das würde ein paar Verhaltensweisen ad absurdum führen, die aktuelle Politiker schon fast gesetzmäßig an den Tag legen...
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    Beides. Ich meine, ich finde es gar nicht so blöd, sowohl Schlagzeilen zu twittern (anders Beispiel dafür: taz_news vs. taz_online) als auch persönlich -- als Person -- präsent zu sein. Insofern finde ich das FDP-Negativbeispiel so schlecht nicht. Wenn ich schnell informiert sein möchte, was eine Zeitung, eine Partei, eine Fraktion, ein Unternehmen neues macht, dann ist -- aus Nutzersicht -- eine Einbindung in meinen Twitter-Stream prima. Was nicht klappt, ist beides auf einmal machen zu wollen, weil dann jeweils die Hälfte unzufrieden ist.
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    "This is not to say that tweets will ever replace traditional campaigns tools but it will most likely be what posters were in the early 20th century: a key campaign tool.", sagt ein dänischer Experte hier: http://is.gd/1Z9I - seine lektionen aus wahlkampf
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    @clemens danke für den link, interessante einschätzungs aus dänemark
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    Warum 4.? Warum soll man allen followen, die einem followen? Sollte nicht jede/r einfach denen followen, wo er lesen möchte, was die twittern? Ich followe z.B. eher wenig Leuten, weil es mir sonst zu viel wird und ich auch meist nachlese/überfliege, was war als ich offline war.

    Ansonsten stimme ich der Kritik an Reinhard Bütikofers Getwitter zwar zum großen Teil zu, aber nicht der vorherigen Account-Führung als personenungebundener Partei-Account.
    Siehe auch hier: http://www.henningschuerig.de/blog/2008/08/27/h...
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    also ich finde, dass ein Politiker Interesse an seinen Followern haben
    sollte, nicht immer und zu jederzeit, aber ab und zu wäre es schon
    nett, wenn mal geguckt wird, was da draussen so los ist, oder?
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    Klar, aber welchem Teil von dem großen "draußen" er verfolgt, sollte er wie andere Twitterer auch selbst entscheiden können. Followen heißt: Ich will lesen, was der/die schreibt. Nicht: der followt mir.
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    ich unterstelle erst einmal, dass ein generelles interesse bestehen
    sollte, das zu lesen zu wollen, was die follower so schreiben.
    ausserdem ist das hier eine top10 liste, da muss man das auch mal
    etwas verkürzter darstellen können. :)
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    Finde es gut, dass den Parteien hier Ratschläge erteilt werden. Meine Meinung (bzw. Fragen) zu den Tipps:

    "1. handelne Personen twittern selber, in ihrem eigenen Stil. Einige ernster, andere lockerer."
    Ja, unbedingt. Wer langfristig twittern will, sollte sich einen eigenen Account zulegen. Zum Ausprobieren kann man schonmal denPartei-Twitter nutzen.

    "2. redaktionelle Mitarbeiter sorgen für Links, Tipps, Hinweise oder Termine. Namen der Mitarbeiter werden genannt."
    Finde, auch Partei-Accounts können witzig, persönlich, politisch sein. Pressemitteilungen sollten nicht dominieren, aber wenn man das Motto "What are you doing" auf eine Partei überträgt, dann sind politische Äußerungen nunmal ein wichtiger Teil unseres "Lebens"

    "3. auf @replies oder DM wird geantwortet soweit möglich."
    Auf jeden Fall. Frage: Sollte auf jede @reply als @reply geantwortet werden oder die Person direkt kontaktiert werden (wir haben teilweise ersteres getan und Beschwerden bekommen, wir würden zu viel twittern)

    "7. 140 Zeichen reichen aus."
    Klar ist die Kürze bei Twitter das Wesentliche, aber ich finde, die 140 Zeichen sind kein Dogma, Twitter ist ja nicht die Katholische Kirche.

    "8. Nutzt die indirekte Direktheit von Twitter."
    Das war mir jetzt zu indirekt.

    "10. Seid authentisch."
    Klar. Authentisch sein heißt dann wohl aber auch, dass jede/r Politiker/in seinen/ihren eigenen Stil finden muss, dass es DEN "guten" und DEN "schlechten" Twitter-Stil nicht gibt - sondern dass letztendlich gut ist was ankommt.

    Muss noch sagen, dass die Kritik am grünen Twitter-Account nicht ganz korrekt ist, da dieser keineswegs nur Pressemitteilungen enthält, sondern auch Hinweise auf Termine, Aktionen, Websites, Videos etc. Verschiedene News sind exklusiv zuerst bei Twitter gelaufen. Im übrigen haben wir für die bisherige Art, unseren Account zu führen, viel Zuspruch erhalten - auch wenn ich ihn definitv für optimierbar halte.

    Robert Heinrich
    (grüne Twitter-Redaktion)
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    zu 3.: das hängt vom thema ab, aber eigentlich würde ich auf öffentliche fragen auch öffentlich antworten.

    zu 7.: an die 140 zeichen sollte man sich halten, sonst kann man bloggen oder faxe schicken. das ist nun mal das format.

    zu 8.: twitter ist kein direktes gespräch, weil viele mitlesen, aber es kann durchaus eine direkte kommunikation werden, das macht den reiz von twitter aus.

    zu 10.: das mag sein.

    zu Deiner Kritik an meiner Kritik: weder das längliche Geschreibsel von Reinhard Bütikofer noch Euer vorheriges Getwitter hat mich vom Hocker gerissen, zu glatt, zu langweilig, zu wenig persönlich ist es mir. Aber wenigstens habt ihr Euch stets bemüht. :)
 

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