Twitter als das Next Big Thing

Laut Om Malik (Twitter VC Funding Done. Raises $15 MM) hat Twitter jetzt eine erneute Finanzierungsrunde abgeschlossen und $15 mio eingesackt, insgesamt wurden jetzt also $20 mio in das Unternehmen gepumpt.

Wofür?

Für das nächste große Ding. Und dafür ist es ein überschaubares Investment, wenn nicht eigentlich zu wenig.

Twitter baut gerade ein neues Stück Netzwerk-Infrastruktur, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für Twitter geht es jetzt erst einmal primär um Wachstum, sicherlich auch um Stabiltät, aber das Thema Monetarisierung muß weiter nach hinten gestellt werden zu Gunsten des Wachstums. Twitter hat noch lange nicht den Mainstream erreicht, sicherlich auch, weil der Dienst noch primär für Early-Adopters einen gewissen Appeal hat. Twitter wird sich jetzt neu ausrichten und dann das Wachstum beschleunigen und für neue, andere Usergruppen attraktiv werden.

Twitter hat aufgrund seiner Fokussierung auf die API einen besonderen Dienst geschaffen, der Elemente des Instant Messaging mit Microblogging verknüpft und eben primär nicht auf der direkten Kommunikation zweier oder mehr Menschen basiert, dieses aber durchaus abbilden kann. Das Kernelement ist sicherlich die API, die schon frühzeitig dafür gesorgt hat, dass der Dienst über Anwendungen von Drittanbietern genutzt werden kann und Anwendungen für speziellere Dienste geschrieben werden konnten. Twitter stösst mit diesem Dienst in eine Lücke, die die Anbieter von Instant Messaging Dienste bislang nicht schliessen konnten. Es geht nicht nur um das Thema der Interoperabilität, also der Möglichkeit, von einem IM-Netzwerk Daten zu einem User eines anderen Netzwerkes senden zu können, sondern auch um die Abbildung der gewissen unverbindlichen Nutzungsweise von Twitter. War in den letzten 10 Jahren das Thema Presence immer wichtiger geworden, so kann man über Twitter ein viel simpleres System der Statusanzeige sehen. Damit wird viel Flexibilität für den User eingeführt, ohne jedoch dabei auch die Komplexität zu erhöhen. Wer eine lange Buddyliste hat und nicht immer für alle präsent sein will, der weiss worauf ich hinaus will. Was jetzt passieren wird, ist das Aufkommen spezieller Anwendungen für Twitter, die Threaded-Messaging abbilden, Filtermöglichkeiten mitbringen und einen ordentlichen 1-1 Chat ermöglichen, wie man ihn vom herkömmlichen IM kennt. Es wird eine Data-Sharing-Möglichkeit geben, wobei die Daten irgendwo in der Cloud abgelegt werden, bei verschiedenen Anbietern, je nach Anwendung. Ich würde sogar so weit gehen, dass Anwendungen geschrieben werden, die auf Twitter basieren, aber ihre eigenen User darüber abbilden können, so dass der User überhaupt nichts mehr von Twitter mitbekommen muss, aber eben die Infrastruktur nutzt. Ob das nun ein konkretes Whitelabel-Angebot sein muss, oder lediglich AGB und API kreativ genutzt werden, das lasse ich mal offen. Aber damit kann Twitter auch sehr leicht zum Bindeglied zwischen Plattformen und Communities werden, denn es blendet eben etliche komplexe Themen aus, wie z.B. Presence oder File-Upload, Voice oder Video. Alles, was man als Zusatznutzen haben will, muss man über Drittanbieter über die API realisieren. Man kann sagen, dass durch das Dauer-Stalemate im IM-Markt, wo die Probleme der Interoperabilität nie wirklich gelöst wurden, aber die Komplexität stetig durch Überfrachtung zugenommen hat.

Faszinirend an Twitter ist zudem die Geschwindigkeit bei der Content-Distribution. Einen nicht nervenden Pushdienst zu entwickeln, der Elemente des Broadcasts mit einem Rückkanal vereinbart, dabei aber sowohl zwanglos als auch konkret bleibt, bei dem sich Sachen quasi “versenden”, aber dennoch auffindbar bleiben, das ist schon eine Kunst. Und die Kunst liegt in der Einfachheit des Dienstes, ist teilweise aber sicherlich auch ungewollt so passiert. Ich finde die Idee des “das versendet sich” in Bezug auf Twitter wirklich hervorragend. Anders als beim Feedreader oder beim Mailprogramm, wo man penetrant über unzähligen ungelesenen Nachrichten informiert wird, rauscht der Twitterstream an einem vorbei und solange es die eigene Aufmerksamkeit zulässt, bekommt man einiges mit. Ist man abwesend, rauscht alles an einem vorbei, wird aber archiviert, kann also später noch gelesen werden. Aber erst mal ist es weg, denn es gehörte zu dem Moment, in dem es getwittert wurde. Nachteilig ist bislang noch, dass man nie wirklich genau weiss, wieviele der eigenen Follower wirklich gerade mitlesen und den Tweet auch gesehen haben. Dadurch fällt es schwer, eine aktive Userbasis in Zahlen auszudrücken.

Twitter wird eine eigene, durchaus auch offene Netzwerkinfrastrukr anbieten, bei der die verschiedensten Dienste eine unterschiedliche Nutzung möglich machen. Aufgrund der API wird weiter das Wachstum über Drittanbieter kommen und der Twitter weiterentwickelt werden. Twitter wird dann die Monetarisierung über Werbung und eine kostenpflichtige Nutzung der API für kommerzielle Anbieter realisieren.

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