Faszination Twitter: der Puls
Gestern morgen war Twitter down, abends dann wieder. Auch wenn es die wenigsten zugeben würden: Twitter hat ihnen gefehlt. Andere Kommunikationsmöglichkeiten bestehen, aber sie sind eben nicht das, was Twitter abbildet. Ein Twit-Out wird mittlerweile angedacht, auch als Ausdruck der Hilflosigkeit, wenn Twitter mal wieder nicht funktioniert.
Warum?
Weil Twitter eine Art unverbindliche Verbindung zur Aussenwelt darstellt. Wenn man will, dann ist sie da, die Twittersphäre mit all ihrem Gesabbel, mit ihren witzigen Kommentaren, nervigen Poser-Tweets und aktuellen Links. Und wenn man nicht will, dann blendet man Twitter einfach aus. Man muss nicht anwesend sein, mann muss nicht mittwittern. Man kann. Jeder so wie er mag, um nicht zu sagen, jeder hat die Follower, die er verdient.
Man guckt kurz rein, sieht, wer “da ist”, twittert ein wenig, hält einen der oft als Bild herhalten müssenden virtuellen Plauschs am Gartenzaun und dann geht man wieder. Anders als im Chat oder beim Instant Messaging erwartet man nicht unbedingt eine Antwort, man weiss, dass auch die anderen mit einem halben Auge mitlesen, aber dass auch niemand böse ist, wenn es keine Antwort gibt, obwohl man etwas geschrieben hat, was die Welt sehen musste. Es ist aber auch der Aufwand, der sich in Grenzen hält und dieses gewisse Gefühl des “das versendet sich”, womit sich Twitter wohltuend von anderen Diensten abhebt. Zwar sind alle Tweets über Suchtools wie Summize wieder auffindbar, es geht also nichts verloren, für die aktuelle Konversation auf Twitter bedeutet es aber eher, dass Tweets vorbeirauschen und dann weg sind. Je nachdem, wie vielen Leuten man folgt, kann das schnell gehen oder Tage dauern. Twitter tickt also je nach User und Uhrzeit in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Genau das führt aber auch dazu, dass man als Aussenstehender nur schwer die Faszination Twitter verstehen kann.
Twitter stellt eine Art Puls dar, der mal langsam, mal schnell, oft auch unregelmässig tickt, aber eben sehr lebendig ist. Fällt dieser Puls weg, fehlt etwas. Ein unaufdringliches Mittel der Kommunikation wird vermisst, wenn man es nicht mehr nutzen kann. Es ist nicht das Ende der Welt, aber wenn man einige Zeit nicht zum Plauschen an den virtuellen Gartenzaun gehen kann, dann fehlt einem etwas. Zumal jedes Mal andere Leute am virtuellen Gartenzaun stehen, zuhören und erzählen.

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21.05.2008 at 11:47
[...] Faszination Twitter: Der Puls @ twitterdings [...]
23.05.2008 at 10:47
[...] ist Kommunikation zwischen verschwommenen, unscharfen Gruppen (fuzzy groups). Genau das ist der Reiz des Mediums, aber vermutlich auch die ...