Twitter Air Apps im Kurztest

Je länger man sich mit Twitter beschäftigt, desto mehr ist man der Überzeugung, dass Applikationen für Twitter eher total sinnlose Namen haben müssen. Dennoch habe ich mal recherchiert, was es derzeit alles an benutzbaren Applikationen basierend auf Adobe Air gibt. Adobe Air ist gerade ziemlich populär, weil sich anscheinend recht zügig Applikationen damit entwickeln lassen, die zudem noch auf Windows, OS X und Linux laufen können.

Laut Tweetstats nutzen zwar immer noch mehr als die Hälfte der User direkt twitter.com, aber immerhin 7% der User nutzen bereits Air Apps. Eine Desktop-App hat im Vergleich zur Website einige Vor- und Nachteile, bei Twitter ist gehören zu den Nachteilen sicherlich die API, bzw. die Abfrage-Häufigkeit einer der Knackpunkte bei der Nutzung einer Desktop-App, aber auch Features wie das Blättern in alten Tweets, das derzeit per API nicht unterstützt wird. Drag&Drop ist sicherlich etwas, womit eine Desktop-App punkten kann, ebenso wie Notification-Support wie beispielsweise Growl. Dennoch zieht eine externe App immer hinter den Entwicklungen der Website bzw. der API her, kann aber unter Umständen mit der Integration von Dritt-Anwendungen einiges an Features abbilden, die auf twitter.com nicht vorhanden sind.

AlertThingy
Eigentlich ist AlertThingy gar kein Twitter-Client, sondern wurde für Friendfeed geschrieben. Dennoch findet es seinen Weg auf diese Liste, denn AlertThingy hat auch eine Integration für Twitter. Eine eher spartanische. Dafür kann man allerdings auch über AlertThingy Fotos zu Flickr schieben und die Twitter-Dubletten bei der gleichzeitigen Nutzung von Twitter und Friendfeed werden herausgefiltert. Ansonsten kann man das nutzen, aber der Fokus liegt durchaus eher auf Friendfeed, oder vielmehr auf Werbung für die Entwicklerfirma. Mich hat AlertThingy ehrlich gesagt relativ kalt gelassen, zumal ich auch die Friendfeed-Nutzung mit der App nicht sehr prickelnd finde.
Rating: ★★☆☆☆

Posty
Posty verspricht die Nutzung von Twitter, Jaiku, Pownce und Tumblr, aber irgendwie sieht das mehr nach Proof of Concept als nach einem wirklich nutzbarem Tool aus. Als Ansicht gibt es die eigenen Tweets oder die Public Timeline, oder aber Replies, aber leider nicht die Ansicht der Tweets der Freunde, die ja eher sinnvoll erscheint. Die Farbgebung mit grauer Schrift auf scharzem Hintergrund mit Pink als kleiner Aufheller ist auch nicht so mein Ding, aber kann man machen, wenn es keine anderen Farben gibt. Es geht bei Posty wohl eher um Fire&Forget als um Lesen und Schreiben.
Rating: ½☆☆☆☆

Snitter
Snitter ist eine recht gefällige App mit einem anständigen Featureset. Bei jedem angezeigten Tweet gibt es die Möglichkeit zum Reply, zur Direct Message oder zum Hinzufügen zu den Favoriten. Das Schnodderfarbende Layout kann man mit CSS selber verändern, Beispiele dafür finden sich in der Snitter Gruppe auf Flickr. An einen selber gerichtete Tweets werden farbig anders dargestellt und mit einem kleinen Sound präsentiert. Snitter haut einen wahrlich nicht vom Hocker, aber ist als Twitter App völlig ausreichend.
Rating: ★★★☆☆

Spaz
Spaz hat den Preis als beste HTML Community Software beim Air Developer Derby gewonnen und auch wenn mir dieser Award bis eben nicht so geläufig war, kann ich mit Spaz durchaus etwas anfangen. Spaz ist Open-Source Software, veröffentlich unter einer Art BSD-License und mit einer Codebasis bei GoogleCode. Ansonsten ist Spaz sehr vernünftig zu nutzen, Tweets werden verschieden-farbig dargestellt und es gibt die Buttons für Reply, Direct Message und Favorit. Wer mag kann sogar Markdown benutzten, ich finde das eher überflüssig, da nicht alle Clients das ebenfalls ordentlich darstellen. Nett finde ich die OnMouseOver-Effekte, wenn man auf das Userbildchen geht oder über den Usernamen in einem Tweet fährt, denn dann poppen Infos über den User auf, inklusive der letzten Tweets und man kann dann gut sehen, mit wem sich der andere Twitter-User gerade unterhält.
Rating: ★★★½☆

TweetR
TweetR kommt eher schlicht daher, hat aber einige nette Features, die nur mit dem “normalen” Getwittere wenig zu tun haben. Man vermisst die üblichen Funktionen wie Reply, Direct Message und Favorit, kann sich aber die Replies und Direct Messages an einen selber getrennt anschauen. Nett ist allerdings, dass man einfache ein Datei auf das Fenster schieben kann und diese dann hochgeladen (bis 100mb) und der Link zur Datei dann getwittert wird. Ein totales Spielfeature, das mir sofort gefiel, ist die Verknüpfung mit Tw3t, so dass man nur fix auf das Kamerasymbol clicken muss und schon kann man über eine angeschlossene Kamera ein Foto von sich selber machen und dies dann twittern, was dann so aussehen kann. Die Default-Sounds nerven, insbesondere wenn man mehr als nur einen Tweet pro Stunde empfängt, ansonsten können sie sehr praktisch sein.
Rating: ★★★☆☆

Twhirl
Twhirl ist sicherlich eine der bekanntesten Twitter-Apps, was auch daran liegt, dass das von Marco Kaiser entwickelte Twhirl kürzlich von Loic Le Meurs Firma Seesmic übernommen wurde. Das Featureset ist beeindruckend, neben der viel-diskutierten Integration von Friendfeed und der Crosspost-Möglichkeit mit Jaiku und Pownce überzeugen sicherlich kleine Nettigkeiten wie die Auswahlmöglichkeit zwischen drei verschiedenen Kurz-URL-Tools, die Nutzung des populären Dienstes Twitpic für den Foto-Upload sowie eine eingebaute Suche basierend auf Tweetscan. Ein netter Effekt ist das Einblenden von Icons für Reply, Direct Message, Favorite und Re-Tweet über dem Userbildchen neben dem getwitterten Text, das ist leicht verständlich und nützlich. Sehr smart finde ich das Anzeigen zweier Userbildchen bei einem reply, dann weiss man sofort “wer mit wem”, denn ein Bildchen ist oftmals aussagekräftiger als ein Twitternick. Twhirl kann mehrere Accounts verwalten, bietet andere Farbpaletten an und kann auch auf deutsch genutzt werden. Auf den ersten Blick haben mich die vielen Icons und Optionen eher verwirrt, aber man kann mit Twhirl wirklich gut twittern.
Rating: ★★★★½

Twibble
Twibble ist mir eigentlich durch die mobile Applikation bekannt, aber Thilo Horstmann hat auch eine Variante für Adobe Air im Programm, die eine ziemliche Featuredichte aufweist. Zu jedem Tweet gibt es 6 Icons, je einen für Direct Message, Reply, Retweet, User Timeline, Friends Timeline und Tweet auf einer Map. Das sind mir persönliche zu viele Dinge, dich ich pro Tweet nutzen werde, das geht alles auf Kosten des Screenspaces und sieht nicht so chic aus. Überhaupt hat Twibble eine ziemliche Obsession mit der Location, denn bei jedem Tweet steht dabei, wo der entsprechende User sich gerade befindet, bzw. mit welchen Werten er zuletzt seine Location-Information geupdated hatte. Noch dazu kann man sich ein Overlay bei Google Maps angucken und sehen, wo aktuell die Tweets herkommen. Letzteres finde ich nett, ersteres überflüssig. Ansonsten bringt Twibble einige Keyword-Shortcuts mit, was ich praktisch finde. Die Basics klappen mit Twibble sehr gut, die Add-Ons finde ich eher egal, aber das ist eben Geschmackssache.
Rating: ★★★★☆

Twitch
Twitch hat sich Einfachheit auf die Fahnen geschrieben und das sieht man auch. Es gibt keinerlei Preferences zum einstellen, in der Timeline sieht man sich und die Freunde, man kann einen Reply machen bei Tweets und es werden aus URLs automatisch TinyURLs gemacht. Das Thema Direct Messages wurde ganz aussen vor gelassen, da kann man noch einiges machen. Das war es auch schon. Twitch sieht recht ansprechend aus, aber für eine Desktop App ist das irgendwie schon zu wenig an Funktionalität.
Rating: ★★☆☆☆

Einen wirklich strahlenden Sieger dieses Kurztestes gibt es nicht, auch wenn wir uns als große Exportnation freuen können, dass die beiden Top-Twitter-Apps von deutschen Entwicklern stammen: Twhirl und Twibble. Die Kunst ist es, genau das passende Featureset zu finden, damit die Twitter-Basics klappen und der user sich über kleine Vereinfachungen freuen können, die sonst nur umständlich zu realisieren sind, wie beispielsweise den Bild-Upload oder die Kurz-URL.

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